Splash!

«L.A. war wirklich dreimal besser als ich erwartet hatte.»

Mit seinem Umzug nach Los Angeles findet David Hockney neue Motive: Er malt die Stadt, das Licht, seine Freunde und Swimmingpools.

Eine neue Welt

1964 zieht Hockney von London nach Los Angeles. Damit ändert sich für David Hockney fast alles: Die sonnige Metropole bildet einen starken Kontrast zu der als beengend empfundenen britischen Heimat. An Los Angeles fasziniert ihn vor allem das moderne Leben: Die breiten Boulevards, die rechteckigen Geschäftshäuser, die schlanken, hochgewachsenen Palmen am Strassenrand oder die getakteten Rasensprenger in den Vorgärten.

In L.A. kann der Künstler seine Homosexualität offener leben als in London. So sind der männliche Akt und das gleichgeschlechtliche Begehren zentrale Motive der Poolbilder, mit denen er schlagartig berühmt wird. Sie stehen für Hedonismus, sexuelle Freiheit und Lebenslust.

David Hockney, Man in Shower in Beverly Hills, 1964, Acryl auf Leinwand, 167.3 × 167 cm, Tate: Erworben 1980, © David Hockney

«Ich sah überall blonde Surfer. Als Schwuler gefällt einem das.»

David Hockney
David Hockney, California Copied from 1965 Painting in 1987, Acryl auf Leinwand, 152.1 × 182.6 cm, Los Angeles County Museum of Art, Schenkung des Künstlers, © David Hockney

Wasser

Hockney fasziniert besonders die Darstellung von Wasser. Er malt es als spiegelnde Wasserfläche im Pool, aus dem Hahn sprudelnd, stilisiert, als Linien oder Flächen.

Der Künstler scheut die zeichnerische Herausforderung nicht und versucht, die linienförmigen Lichtreflexionen und Spiegelungen festzuhalten. Um den Effekt des Linienspiels zu verstärken, bemalt er sogar Wände und Boden seines Swimmingpools.

David Hockney bemalt Kenneth Tylers Swimmingpool in Bedford Village, NY, 1987, © National Gallery of Australia, Canberra, Schenkung Kenneth Tyler 2002, Foto: Kenneth Tyler
Der von Hockney bemalte Swimmingpool mit Kenneth Tyler, © National Gallery of Australia, Canberra, Schenkung Kenneth Tyler 2002
David Hockney macht Polaroid-Aufnahmen für die Serie Paper Pools, Bedford Village, NY, 1978, © National Gallery of Australia, Canberra, Schenkung Kenneth Tyler 2002, Foto: Kenneth Tyler

«In meinen Poolbildern ging es um Transparenz: Wie malt man Wasser? Im Gegensatz zum Teich reflektiert der Swimmingpool Licht. Die tanzenden Linien, die ich früher auf die Pools gemalt habe, gibt es wirklich auf der Wasseroberfläche. Das ist eine zeichnerische Herausforderung.»

David Hockney, 2011

Die grosse Welle

Die Faszination für Wasser begleitet Hockney durch sein ganzes Werk. In The Wave, A Lithograph hebt er eine einzelne Welle prominent hervor. Sie wirkt wie eine mächtige Skulptur oder wie ein Dampfschiff mit einer Rauchfahne, die sich von der Wellenspitze her über den Himmel zieht.

Für die grosse Welle gibt es auch ein grosses Vorbild: Die Grosse Welle vor Kanagawa des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai. Dieser Farbholzschnitt ist eine wichtige Inspiration für zahlreiche Künstler:innen auf der ganzen Welt.

Katsushika Hokusai, Die grosse Welle vor Kanagawa, 1830–1832, Farbholzschnitt, 25 × 37 cm, Google Art Project.jpg
David Hockney, The Wave, A Lithograph, 1990, Lithografie auf Papier, 68.8 × 96.6 cm, Tate: Schenkung des Künstlers 1993, © David Hockney / Tyler Graphics Ltd., Foto: Richard Schmidt

In den Hollywood Hills

David Hockney lebt während mehrerer Jahrzehnte in Los Angeles. 1982 kauft er sich ein Haus in der Nähe des legendären Mulholland Drive in den Hügeln von Hollywood. Auf langen, temporeichen Autofahrten erkundet David Hockney die Stadt und hört dabei am liebsten Musik von Richard Wagner. Die Geschwindigkeit und die kurvigen Strassen verändern die Wahrnehmung: Die Landschaft verändert ihre Gestalt, das Bild passt sich dem Erlebnis an. David Hockney stellt die Strasse zu seinem Haus durch den Nichols Canyon aus der Vogelperspektive mehrfach dar: Sie windet sich zwischen bunten Häusern und Hügeln hindurch, holt in den Kurven weit aus, fällt im Gelände beinahe senkrecht ab und geht über in die Fläche. Die Darstellungen wirken wie eine erinnerte Landkarte, in der die erlebte Autofahrt in einem Bild zusammengefasst wird.

David Hockneys Haus in Los Angeles, Foto: Jeffrey Daniels
David Hockney, Interior with Blue Terrace and Garden, 2017, Acryl auf Leinwand, 121.9 × 243.8 cm, © David Hockney, Foto: Richard Schmidt

Hockneys Hollywood

David Hockneys Bilder werden immer wieder von anderen Künstler:innen interpretiert. Der belgische Künstler Rinus Van de Velde etwa hat eine eigene Version von Hockneys Nichols Canyon geschaffen.

Das Motiv entspricht fast genau Hockneys Gemälde. Nur die Strassennamen fehlen und das Bild ist schwarzweiss gemalt. Unter der Landschaft steht: «Tell Me How I Get There, David» – David, sag mir, wie ich dahin komme. Anders als Hockney, der gerne draussen malt, unternimmt Rinus Van de Velde lieber gedankliche Reisen in seinem Studio. Mit der Kohlezeichnung des Nichols Canyons tritt Van de Velde in einen fiktiven Dialog mit Hockney. Die Frage «Wie komme ich dahin?» ist wohl weniger als Wegbeschreibung zu Hockneys Haus zu verstehen, sondern im übertragenen Sinn: Wie ist es heute möglich, in die Fussstapfen von Meistern wie Picasso, Van Gogh oder eben David Hockney zu treten?

Der Nichols Canyon von David Hockney und Rinus Van de Velde
Rinus Van de Velde über sein Idol David Hockney